Operation am offenen Herzen der Systemtechnik

 „Man könnte es mit einer Operation am offenen Herzen vergleichen“, beschreibt der staatlich geprüfte Informationstechniker Alexander Söhl die Arbeiten, die kürzlich in der Integrierten Leitstelle Erding durchgeführt wurden. Gemeint ist der geplante Austausch zentraler Systemkomponenten – ein hochsensibler Eingriff an einer Technik, die rund um die Uhr zuverlässig funktionieren muss.

Die Systemtechnik einer Leitstelle ist das Rückgrat der täglichen Arbeit: Notrufe entgegennehmen, Lagebilder erstellen, Einsatzmittel alarmieren. Um diese Leistungsfähigkeit dauerhaft sicherzustellen, werden wesentliche Hardware-Komponenten in einem festgelegten Zyklus von etwa zehn Jahren erneuert. Ziel ist maximale Stabilität, Ausfallsicherheit und damit letztlich der Schutz von Menschenleben.

Wo andere Systeme für kurze Zeit abgeschaltet werden können, gilt in einer Leitstelle ein anderer Maßstab. Entsprechend akribisch war die Vorbereitung: Federführend unter Systemadministrator Alexander Söhl plante das Verwaltungsteam gemeinsam mit der Leitstellenleitung jeden einzelnen Schritt. Frühzeitig wurden Absprachen mit der Vertretungsleitstelle Landshut getroffen, zusätzliches Personal eingeplant, taktische Konzepte erstellt und mit allen Beteiligten abgestimmt. Auch Feuerwehren und Rettungsdienste im Zuständigkeitsbereich wurden umfassend informiert. In Bayern verfügt jede Integrierte Leitstelle über eine fest zugeordnete Vertretungsleitstelle. Dieses bewährte System stellt sicher, dass Notrufe jederzeit entgegengenommen und Einsätze ohne Zeitverlust disponiert werden können – selbst dann, wenn vor Ort technische Arbeiten stattfinden.

Am frühen Morgen gegen 5 Uhr machten sich fünf erfahrene Disponenten, darunter Schichtleiter und Systemadministratoren, auf den Weg nach Landshut. Dort hatten die Kolleginnen und Kollegen der ILS Landshut bereits alles vorbereitet, um den Betrieb nahtlos zu übernehmen. Für die Dauer der Arbeiten in Erding liefen sämtliche Notrufe, Krankentransporte sowie Alarmierungen zentral über Niederbayern. Parallel dazu begann in der ILS Erding der eigentliche Eingriff: Insgesamt acht zentrale Netzwerkswitches, die für den Betrieb des Einsatzleitsystems verantwortlich sind, wurden ausgetauscht. Begleitet wurde das Vorhaben durch den österreichischen Systemhersteller Eurofunk, der sowohl Planung als auch Umsetzung eng unterstützte.

„Für verlässliche Entscheidungen braucht es verlässliche Technik“, bringt Alexander Söhl die Bedeutung der Maßnahme auf den Punkt.

Pünktlich um 6 Uhr gab die Leitstellenleitung das offizielle „Go“ zur Umschaltung. Alle relevanten Rufnummern – darunter 112, 19222 und Amtsleitungen – wurden vollständig auf die ILS Landshut umgeleitet. Auch softwareseitig lief alles nach Plan: Der Hersteller schaltete die Einsatzbearbeitung für die vor Ort tätigen Kollegen frei.

„Das Zusammenspiel aller Akteure hat reibungslos funktioniert. Unser Konzept ist nicht nur für geplante Maßnahmen ausgelegt, sondern muss auch in spontanen Ausnahmelagen greifen – genau das hat sich hier erneut bewährt“, so der stellvertretende Leitstellenleiter Markus Hermann.

Mit größter Sorgfalt tauschten die IT-Fachkräfte gemeinsam mit den Systemadministratoren die Netzwerktechnik aus. Nach nur einer Stunde und drei Minuten konnte der stellvertretende Leiter der ILS Erding, der auch für die technische Infrastruktur verantwortlich ist, den erfolgreichen Abschluss der Arbeiten vermelden. Durch die neuen Komponenten ist die Systemarchitektur nun noch stärker redundant ausgelegt und erhöht die Ausfallsicherheit weiter. Kurz nach 7 Uhr wurden alle Notrufleitungen und Systeme zurück auf die ILS Erding geschwenkt. Die Disponentinnen und Disponenten nahmen ihre Arbeit wieder am gewohnten Platz auf – unterstützt von einer modernisierten und zukunftssicheren Technik im Hintergrund.

„Unser besonderer Dank gilt der ILS Landshut für die hervorragende Zusammenarbeit sowie unseren eigenen Mitarbeitenden, die von der Vorbereitung bis zur Umsetzung dieses anspruchsvollen Prozesses stets einen kühlen Kopf bewahrt haben“, resümiert Leitstellenleiter Hubert Maier. „So stellen wir sicher, dass hilfesuchende Bürgerinnen und Bürger in den Landkreisen Erding, Ebersberg und Freising jederzeit auf eine leistungsfähige und verlässliche Leitstelle vertrauen können.“