Italienischer Rettungsdienstmitarbeiter hospitiert bei der Integrierten Leitstelle Erding
Aus einer Bekanntschaft wurde eine enge fachliche Verbindung: Bereits zum zweiten Mal besuchte der italienische Sanitäter Leonardo Carraro die Integrierte Leitstelle Erding. Carraro ist am Gardasee im Rettungsdienst tätig und arbeitet bei der ASST Garda. Durch den regelmäßigen Austausch mit Mitarbeitenden der Leitstelle entstand die Idee, ihm erneut eine Hospitation in Erding zu ermöglichen – mit dem Ziel, voneinander zu lernen und Einblicke in die jeweiligen Strukturen des Rettungswesens zu gewinnen.
Für Leitstellenleiter Hubert Maier ist ein solcher Blick über die Landesgrenzen hinaus von großem Wert: „Der persönliche und fachliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern erweitert den eigenen Horizont. Gerade im Rettungsdienst und in Leitstellen gibt es viele unterschiedliche Lösungsansätze, von denen man gegenseitig profitieren kann.“
Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass in Bayern Notrufe für Familienangehörige oder Bekannte eingehen, die sich im Ausland aufhalten – beispielsweise während eines Urlaubs in Italien. Kenntnisse über die dortigen Strukturen können dabei hilfreich sein.„Wenn unsere Disponentinnen und Disponenten die Abläufe und Zuständigkeiten in anderen Ländern kennen, schafft das zusätzliche Sicherheit in der Bearbeitung solcher Fälle. Dieses Wissen kann im Einzelfall wertvolle Zeit sparen und die Zusammenarbeit erleichtern“, erklärt Maier.
Während in Bayern die Zweckverbände für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) die Träger des Rettungsdienstes sind und Hilfsorganisationen wie das Bayerische Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe, die Malteser Hilfsdienst oder weitere Leistungserbringer die operative Durchführung übernehmen, liegt die Verantwortung in Italien bei den regionalen Gesundheitsdiensten. Jede Region organisiert ihr Rettungsdienstsystem eigenständig.
Im Bereich von Carraros Heimatregion wird der Rettungsdienst unmittelbar durch ein Krankenhaus getragen, das sowohl Personal als auch Fahrzeuge stellt. Diese unterschiedlichen Organisationsformen sorgten während der Hospitation für zahlreiche interessante Gespräche und einen intensiven Erfahrungsaustausch mit den Disponentinnen und Disponenten der ILS.
Doch nicht nur die Leitstellenarbeit stand auf dem Programm. Für den Anfang 30-Jährigen war insbesondere das System der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr in Bayern von großem Interesse. Neben der Disposition von Rettungsdienst und Feuerwehr erhielt er umfassende Einblicke in die Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen.
Da Carraro ausgezeichnet Deutsch spricht, entwickelte sich schnell ein offener und intensiver fachlicher Austausch. Über die Hospitation in der Leitstelle hinaus wurde ihm auch der Kontakt zu einer örtlichen Rettungswache vermittelt, auf der er am folgenden Tag eine Praktikumsschicht absolvierte. Darüber hinaus erhielt er die Möglichkeit, eine Feuerwehr im Leitstellenbereich zu besuchen und deren Strukturen kennenzulernen.
„Die Organisation von Feuerwehr und Rettungsdienst unterscheidet sich deutlich von den Strukturen in Italien. Besonders beeindruckt hat mich jedoch, mit welchem Engagement und welcher Professionalität hier gearbeitet wird. Man spürt, wie viel Herzblut die Menschen vor Ort in ihre Aufgaben investieren“, berichtet Carraro.
Am Ende seines Aufenthalts zeigte sich der italienische Rettungsdienstmitarbeiter dankbar für die zahlreichen Einblicke in Leitstelle, Rettungsdienst und Feuerwehr.
„Auch wenn die Systeme unterschiedlich aufgebaut sind, stehen wir letztlich vor denselben Herausforderungen. Der Austausch miteinander hilft uns, voneinander zu lernen und neue Perspektiven zu gewinnen“, fasst Carraro seine Eindrücke zusammen.
Die Hospitation hat einmal mehr gezeigt, dass internationale Kontakte und persönliche Begegnungen einen wichtigen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis leisten – und dass die Sprache der Hilfeleistung weit über Landesgrenzen hinaus verstanden wird.


